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Nirgendwo ist man seinen Nebenmenschen so unausweichlich nahe wie in der Einsamkeit. Das erf?hrt und erleidet Gerald Samper, der sich auf der Kuppe eines toskanischen Berges ein Haus gekauft hat, in majest?tischer Alleinlage. Nur leider wird auch das einzige Nachbarhaus bewohnt und zwar sehr heftig.
"?Verzeihen, bitte. Bin ich Marta. Ist offen Ihre T?r, ja, und trete ich zu.? Das verhei?t nichts Gutes, doch ich steige mit vorbildlicher Geduldsmiene von der Leiter. Das st?mmige Frauenzimmer gibt sich mit vielen Entschuldigungen als meine Nachbarin aus, ist sehr der Meinung, dass wir Bekanntschaft schlie?en sollten, und hat, um das Eis zu brechen, eine Flasche Fernet-Branca mitgebracht."
Gerald und Marta, der englische Ghostwriter f?r allerlei popul?re Stars und die osteurop?ische Filmkomponistin - sie treten in diesem Roman gegeneinander an, als Vertreter verschiedener Geschlechter, verschiedener Sph?ren von West und Ost und nat?rlich grundverschiedener Perspektiven. In wechselnden Kapiteln wird mal die Sicht von Gerald, mal die von Marta wiedergegeben. Abgesehen davon jedoch hat der hochgebildete Hamilton-Paterson hier auf alle hohe Kunst verzichtet und gesudelt, was das Zeug h?lt. Offenbar konnte er es in dieser realexistierenden Welt nicht mehr l?nger aushalten, ohne sich einmal t?chtig, mitunter sogar unfl?tig, ?ber einige ihrer penetrantesten Errungenschaften lustig zu machen. ?ber die Idole der Massen zum Beispiel. Wenn Gerald von seiner j?ngst vollendeten Prominenten-Biographie spricht, dann klingt das so:
"Ihr Gegenstand ist der dreimalige Formel-Eins-Weltmeister Per Snoilsson, besser bekannt als der ?fliegende Schwede?. Snoilsson ist ein hundsgemeiner junger Rotzl?ffel und ein ausgemachter Schwachkopf. Wie sollte es auch anders sein, wo er es sich zum Beruf gemacht hat, in m?rderischem Tempo Runde um Runde im Kreis zu fahren? Dennoch w?re es mir lieber, er w?rde sich erst umbringen, wenn mein Buch schon eine Weile auf dem Markt ist."
Weitere Ziele f?r satirische Attacken sind die in s?dlicher Lebenskunst bewanderte Toskana-Fraktion, die es auch in britischer Version gibt. Wenn Gerald den Lesern Kochrezepte mit Fernet-Branca und ger?uchertem Katzenfleisch empfiehlt, wenn er ?ber den Kult ums kaltgepresste Oliven?l herzieht, dann ist das eine buchst?blich giftige Verulkung der zahllosen Sch?ner-Leben-B?cher ?ber die Toskana. Satirisch aufgespie?t werden au?erdem die osteurop?ischen Mafia-Dynastien, aus deren einer sich die Komponistin Marta gerade herausarbeitet, oder das Vereinigte K?nigreich, in dem Gerald schon bessere Tage gesehen hat.
"Bei New Labour und fl?chendeckendem Fu?ball bleibt einem nur der Ausweg des Stoikers: das Exil. Wenn man nicht mehr ernsthaft sein darf, kann man auch emigrieren."
Passend dazu ist die Handlung kolossal unernst, ja reinste Klamotte. Hamilton-Paterson erfindet immer wieder neue Verwicklungen, vermittels derer seine beiden Protagonisten aneinandergeraten und durch die neues Material f?r zeitkritischen Spott beigebracht wird. Das ist alles ziemlich komisch, und wer noch nicht emigrieren will, hat wenigstens viel zu lachen.
Tja, viel hab ich auch nicht hinzuzuf?gen...ich habe mich w?hrend der Lekt?re jedenfalls mehr als einmal weggeschrieen. Keine Ahnung, wann es dennh als Taschenbuch erscheint, aber sobald ich es sehe, lasse ich es euch wissen, da ich ja weiss, dass euch sowas keineswegs am Arsch vorbei geht...Hier noch zwei kurze Ausschnitte aus dem Buch, um eingefleischte Zweifler zu ?berzeugen:
Von allem anderen abgesehen, w?rdest du dich ?ber Gerry totlachen, der neulich beinahe t?tlich verungl?ckt w?re. Er hatte Gl?ck, dass ich zuf?llig sah, wie er als "Arbeiter" verkleidet, jodelnd von dannen zog, im affigsten Aufzug, den du dir vorstellen kannst: gelber Bauarbeiterhelm, dicker lederner Werkzeugg?rtel ?ber seinen Shorts und mit einer Brechstange bewaffnet, die er kaum heben konnte. Am Set eines Schwulenpornos w?re er gar nicht weiter aufgefallen. Zuf?llig wu?te ich, dass er au?erdem den gr??ten Teil einer Flasche Fernet-Branca getankt hatte. Ich sehe ihn also von ferne tr?llernd zur Arbeit stapfen wie Disneys achten Zwerg - Doody,wie sollte er sonst hei?en? - und hinter der Hausecke verschwinden. Dramatische Pause. Dann ein schriller Schrei, als ob einer der Callas in den Hintern gepiekt h?tte, gefolgt von einem dumpfen Krachen. Du kennst mich und wei?t, dass wir alle nicht furchtbar karitativ veranlagt sind, aber da ich ungern eine Gelegenheit zum Lachen auslasse, schnappte ich mir eine Flasche mit "Arznei" und eilte hin?ber. Zuerst konnte ich niemanden erblicken, doch dann ersp?hte ich den gelben Helm. Gerry lag zwischen einem Haufen morscher Bretter ein St?ck weiter unten auf einer ?berwucherten Feldterasse. Er machte einen ausgesprochen toten Eindruck, und ich hatte keine gro?e Lust hinunterzugehen, aber dann sah ich ihn zucken und f?hlte mich verpflichtet. Als ich bei ihm ankam, hatte er den Helm ?berm Gesicht und war anscheinend bewusstlos, doch kaum hatte ich ihm den Helm abgenommen, kam er zu sich. Ihm war wohl nichts ernstes passiert, denn als erstes fluchte er recht erfinderisch (glaube ich) und langte nach der Flasche, die ich mitgebracht hatte - kein guter woidischer Slibowitz, mu? ich sagen, etwas mehr nach seinem Geschmack.
Und hier zum zweiten, nun ein St?ckchen aus Geralds kranker Phantasie :
Sogar die gute alte Doppeldeutigkeit k?nnte das eine oder andere Gericht inspirieren. Man kann sich die auflockernde Wirkung gut vorstellen, die es h?tte, wenn ein vornehmer Oberkellner hinter eine ?ltere Dame tr?te und leicht vorgebeugt n?selte : "Im Rahmen unserer arabischen Wochen kann ich ihnen den An al-Fiq empfehlen, gn?dige Frau. Dazu eine geschmeidige Avocadocreme. Eine besondere Spezialit?t unseres libyschen Gastkochs."
_________________ Ich haue meinen Penis mit der Eichel auf ein Holzbrett.
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